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Aus dem Nordkurier, Mecklenburg/Vorpommern-Seite...
 

Artikel vom 29.03.2006

Vom Dorf in die weite Welt des Internets

von Jana Otto
Hohenbrünzow. „Crash-Kurse töten das Interesse eher, als dass sie es fördern“, sagt Kathrin Richter. Deshalb nimmt sie sich mit ihren beiden Mitarbeiterinnen viel Zeit für die Teilnehmer. Zum Beispiel für Karin Tillmann. „Ich habe noch nie am Computer gesessen“, sagt die Rentnerin und fügt hinzu: „Das wird sich nun ändern.“
Etwas Neues lernen oder sich weiterbilden und vor allen Dingen den Teilnehmern die Angst vor der Maschine „Computer“ nehmen – das bietet Kathrin Richter mit ihrem Projekt „Kurs über Land – Vom Dorf in die Welt“. Der Name des Projektes ist Programm. Die drei Frauen ziehen täglich mit ihren Laptops und sogar mit herkömmlichen Computern von Dorf zu Dorf durch den Landkreis Demmin. Seit Anfang des Jahres haben sie zehn Bürgerbüros in unterschiedlichen Gemeinden, wie gestern in Hohenbrünzow, eingerichtet, in denen sie Computerkurse für die Landbevölkerung anbieten. Das elfte Büro wird in der nächsten Woche eröffnet. „Wir gehen ganz gezielt in Bürgerhäuser, die die Leute kennen und in denen sie sich wohl fühlen“, erklärt Kathrin Richter, die Leiterin des Projektes.
Auf die Idee kam die gelernte Vermessungstechnikerin während einer einjährigen Weiterbildung am Frauen-Technik-Zentrum Rostock. Danach stand für Kathrin Richter fest, einen beruflichen Neuanfang zu wagen. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln des Landes Mecklenburg-Vorpommern und der Europäischen Union, Träger ist die Landschafts- und Entwicklungsgesellschaft (LEG) Rosenow. „Gefördert werden allerdings nur die Personalkosten“, erklärt Kathrin Richter. Sowohl die Rechner und Drucker, mit denen sie über Land ziehen, als auch die anfallenden Sachkosten bezahlen die drei Frauen aus eigener Tasche. Für die Teilnehmer ist der Kurs kostenlos.
Damit das Projekt dennoch funktioniert, ist Kathrin Richter auf die Unterstützung der Gemeinden angewiesen. „Der Kurs ist nur möglich, wenn der Raum und ein Internet-Zugang zur Verfügung gestellt werden“, erklärt die Projektleiterin. Viele Bürgermeister, die sie in Vorbereitung des Kurses angesprochen hat, unterstützten das Vorhaben. „Allerdings gibt es auch Gemeinden, die sich nicht mal mehr das leisten können“, so Kathrin Richter.
Bärbel Westphal, Bürgermeisterin in Hohenbrünzow, freut sich, dass es den Kurs nun einmal wöchentlich auch in ihrem Dorf gibt. „So können sich die Leute beispielsweise informieren, was ein Liter Heizöl kostet und ob sie irgendwo Geld sparen können“, sagt sie. Zur Eröffnung gekommen ist auch Monika Kusch. Sie hofft, über das Internet einen Job zu finden und will regelmäßig in das Bürgerhaus „Zur alten Schule“ kommen, um eine Abwechslung vom Alltag zu haben. „Jeder, der Hilfe braucht, kann herkommen“, versichert Kathrin Richter. „Wer aber einen Aufbaukurs möchte, der soll sich an die Volkshochschule wenden“, rät sie.
Wie es in zwei Jahren, nach Ablauf des Projektes, weitergehen wird, weiß Kathrin Richter noch nicht. Sie hofft aber, dass die Leute dann bereit sind, für diese Dienstleistung zu zahlen. „Wenn sie erkennen, dass sie einen finanziellen Vorteil haben, wenn sie beispielsweise Amtssachen über das Internet regeln können und deswegen nicht extra fahren müssen, denke ich, dass das klappt“, ist sie optimistisch.
@www.kurs-ueber-land.de

 

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