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von Jana Otto
Hohenbrünzow.
„Crash-Kurse töten das Interesse eher, als dass sie es fördern“,
sagt Kathrin Richter. Deshalb nimmt sie sich mit ihren beiden
Mitarbeiterinnen viel Zeit für die Teilnehmer. Zum Beispiel für
Karin Tillmann. „Ich habe noch nie am Computer gesessen“, sagt
die Rentnerin und fügt hinzu: „Das wird sich nun ändern.“
Etwas Neues lernen oder sich weiterbilden und vor allen Dingen
den Teilnehmern die Angst vor der Maschine „Computer“ nehmen –
das bietet Kathrin Richter mit ihrem Projekt „Kurs über Land –
Vom Dorf in die Welt“. Der Name des Projektes ist Programm. Die
drei Frauen ziehen täglich mit ihren Laptops und sogar mit
herkömmlichen Computern von Dorf zu Dorf durch den Landkreis
Demmin. Seit Anfang des Jahres haben sie zehn Bürgerbüros in
unterschiedlichen Gemeinden, wie gestern in Hohenbrünzow,
eingerichtet, in denen sie Computerkurse für die Landbevölkerung
anbieten. Das elfte Büro wird in der nächsten Woche eröffnet.
„Wir gehen ganz gezielt in Bürgerhäuser, die die Leute kennen
und in denen sie sich wohl fühlen“, erklärt Kathrin Richter, die
Leiterin des Projektes.
Auf die Idee kam die gelernte Vermessungstechnikerin während
einer einjährigen Weiterbildung am Frauen-Technik-Zentrum
Rostock. Danach stand für Kathrin Richter fest, einen
beruflichen Neuanfang zu wagen. Gefördert wird das Projekt aus
Mitteln des Landes Mecklenburg-Vorpommern und der Europäischen
Union, Träger ist die Landschafts- und Entwicklungsgesellschaft
(LEG) Rosenow. „Gefördert werden allerdings nur die
Personalkosten“, erklärt Kathrin Richter. Sowohl die Rechner und
Drucker, mit denen sie über Land ziehen, als auch die
anfallenden Sachkosten bezahlen die drei Frauen aus eigener
Tasche. Für die Teilnehmer ist der Kurs kostenlos.
Damit das Projekt dennoch funktioniert, ist Kathrin Richter auf
die Unterstützung der Gemeinden angewiesen. „Der Kurs ist nur
möglich, wenn der Raum und ein Internet-Zugang zur Verfügung
gestellt werden“, erklärt die Projektleiterin. Viele
Bürgermeister, die sie in Vorbereitung des Kurses angesprochen
hat, unterstützten das Vorhaben. „Allerdings gibt es auch
Gemeinden, die sich nicht mal mehr das leisten können“, so
Kathrin Richter.
Bärbel Westphal, Bürgermeisterin in Hohenbrünzow, freut sich,
dass es den Kurs nun einmal wöchentlich auch in ihrem Dorf gibt.
„So können sich die Leute beispielsweise informieren, was ein
Liter Heizöl kostet und ob sie irgendwo Geld sparen können“,
sagt sie. Zur Eröffnung gekommen ist auch Monika Kusch. Sie
hofft, über das Internet einen Job zu finden und will regelmäßig
in das Bürgerhaus „Zur alten Schule“ kommen, um eine Abwechslung
vom Alltag zu haben. „Jeder, der Hilfe braucht, kann herkommen“,
versichert Kathrin Richter. „Wer aber einen Aufbaukurs möchte,
der soll sich an die Volkshochschule wenden“, rät sie.
Wie es in zwei Jahren, nach Ablauf des Projektes, weitergehen
wird, weiß Kathrin Richter noch nicht. Sie hofft aber, dass die
Leute dann bereit sind, für diese Dienstleistung zu zahlen.
„Wenn sie erkennen, dass sie einen finanziellen Vorteil haben,
wenn sie beispielsweise Amtssachen über das Internet regeln
können und deswegen nicht extra fahren müssen, denke ich, dass
das klappt“, ist sie optimistisch.
@www.kurs-ueber-land.de
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