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Bilder von Damals und Heute in Gültz
18. Dezember 2008

Donnerstag, den 18.12.2008 hatte am Nachmittag das Projekt „Kurs über Land“ in den Raum der Volkssolidarität nach Gültz zu Bildern von Damals und Heute geladen und viele Gültzer waren der Einladung gefolgt. Ihr Interesse wurde belohnt und das reichlich, denn die Gemeinde Gültz hat eine sehr bewegte Geschichte.
Zahlreiche Bilder waren bei der Sammlung zu diesem Vortrag zusammen gekommen. Unter anderem vom Gültzer Schloss, einst 1872 im Auftrag der Familie von Maltzahn fertig gestellt und Prunkstück des Ortes. Nach dem 2. Weltkrieg diente das Schloss erst als Flüchtlingsunterkunft, ab 1966 als Berufsschule mit Internat. Nach der Wende war es im Besitz der Familie Lissy. 2004 erwarb eine Schweizer Immobilienfirma das noch intakte Schloss bei einer Versteigerung.
Die imposante Magnolie vor dem Haus blüht im Frühjahr eines jeden Jahres einige Tage in voller Pracht. Sie scheint im Moment das einzig prachtvolle am Schloss zu sein, denn das Haus steht leer und hat fast all seinen Glanz verloren.

Gültz schrieb jedoch nicht nur mit dem Schloss Geschichte. Mitte der sechziger Jahre, 1965 genau, wurden hier die ersten gemischten Mähdrescherbesatzungen, zusammengesetzt aus Männer und Frauen, hier speziell die Ehepaare, gebildet. Das war zur damaligen Zeit für Presse und Fernsehen hoch interessant, sogar ein Film wurde darüber gedreht und im DDR Fernsehen ausgestrahlt.
Bei der Planung des Ernteablaufs im Jahre 1965 kam der Vorstand der LPG auf die Idee, Frauen als Beifahrer auf dem Mähdrescher zu gewinnen. Nach Diskussionen wurden die Ehefrauen der erfahrenen Mähdrescher für diese Aufgabe geworben. Alle Frauen hatten Kinder, die während dieser Zeit in den Kindereinrichtungen und von den Omas betreut wurden. Es mussten aber auch der Haushalt und die individuelle Viehwirtschaft bewältigt werden. Das wurde gemeinsam mit den Männern und hier und dort auch mit den Großeltern geschafft.
Edith Knade und Edeltraut Borchardt, beides ehemalige „Fahrende Frauen von Gültz“, erzählten am Donnerstag gerne von den fünf Jahren, 1965 bis 1969 im Mähdreschereinsatz.
„Nachts standen wir in der Waschküche“, so Edeltraut Borchardt, „die Wäsche mußte ja gemacht werden. Eingeweckt haben wir auch nachts!“ „Alle hatten Kinder“ stimmt Edith Knade ein, „aber wir waren jung und haben es geschafft!“ Beide waren sich einig, dass es eine schöne Zeit war, an die sie gerne zurückdenken. Von einem gewaltigen Gewitter erzählten sie noch, welches sogar den sonst so starken und scherzenden Männern gewaltige Angst einjagte und bei dem es so sehr regnete, dass die Mähdrescher wegen Überflutung nicht vom Acker fahren konnten und alle zwischen den Kartoffelreihen Schutz vor dem starken Regen und den vielen Blitzen suchten!


Mit Geschichten und Geschichtlichem, nicht nur vom Schloss und den „Fahrende Frauen von Gültz“, sondern auch von der Kirche, der Schule, dem Sport, dem Bahnhof, der LPG „Glückauf“ Gültz, der Volkssolidarität und der Feuerwehr haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Bürgerbüro Gültz eine 52-seitige Broschüre vom Ort zusammengestellt, die sicher den Anspruch einer „Kleinen Chronik“ erfüllt und ebenfalls am Nachmittag vorgestellt wurde.




Unten ist ein kleine Fotogalerie. Zum Vergrößern bitte auf die einzelnen Fotos klicken.


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